Baumpatenschaften im Spessart

 

Update Juni 2021

 Mai 2021

langsam wird's bunt..

Aufforstung im Hafenlohrtal

 Juni 2020

so idyllisch wie sich das manch einer Vorstellt ist eine Aufforstung nicht;-)

Aufforstung im SpessartAufforstung in Hafenlohr

 

 

Ein kleines Interview mit Matthias Huckle, dem Waldbesitzer und leidenschaftlichen Förster und Naturfan.

So, los geht’s1. Wie fandest du das Waldstück vor uns was passierte seit dem du es hast?

Als ich das Waldstück 2018 bekommen habe, sind dort viele Bäume vor allem Fichten- gestanden, die vom Borkenkäferbefallen waren.
Das gesamte Grundstück bestand zu etwa 75% aus einer Fichtenmonoklutur (= 10.000m2).
Mehrere Stürme hatten außerdem dafür gesorgt, dass einige Bäume umgefallen sind oder halb schräg in anderen Baumkronen gehangen waren.

Es war beim Anschauen ein großes Durcheinander und ich wusste, dass einiges an Arbeit auf mich zukommen würde.
Zuerst habe ich begonnen die vom Borkenkäfer befallenen Fichten und die umgestürzten Bäume zu fällen und aus dem Wald zu bringen, um die weitere Ausbreitung der Borkenkäfer zu stoppen.

Die Borkenkäfer vermehren sich unter der Rinde der Fichten. Die Käfer, die sich in einem einzelnen befallenen Baum entwickeln, können dafür sorgen, dass bis zu 20 weitere Bäume befallen werden und absterben. Um eine Fichte zum Absterben zu bringen, müssen sich etwa 500-1000 Borkenkäfer in die Rinde einbohren.

Es war also wichtig sorgfältig zu arbeiten. Restlos alle Borkenkäfer aus dem Wald zu bringen ist aber so gut wie unmöglich. Die Käfer suchen sich nach dem Schlüpfen Bäume im Umkreis von etwa 500 Metern, und befallen diese vor allem, wenn sie durch Hitze und Trockenheit geschwächt sind. Ich habe also auf Regen und kühle Temperaturen gehofft.

2019 war es dann aber wieder so heiß und trocken, dass auch die übrigen Fichten, die bisher gesund waren, vom Borkenkäfer befallen wurden. Ich musste handeln und ließ alle übrig gebliebenen Fichten fällen und abtransportieren.
Glücklicherweise stehen auf dem Grundstück auch einige Eichen, Buchen und Lärchen. Diese sorgen durch ihre Samen dafür, dass zumindest auf einem Teil des Grundstücks kleine Bäumchen natürlich aufgehen und wachsen.

Im Februar 2020 ist schließlich noch Sturm Sabinedurch den Wald gefegt und hat auch einige Buchen und Lärchen umgeworfen.

Dann habe ich beschlossen, die größeren Lücken in meinem Wald mit einer Vielfalt an Baumarten zu bepflanzen.

Geschädigte Fichtenbäume durch Borkenkäferbefall Kranker Fichtenwald

2. Wie bist du auf die Baumarten gekommen?

Die Baumarten wähle ich so, dass sie zum Boden, zum Klima und zum Standort der Pflanze passen.

Zuerst nehme ich dazu einen Bohrstock und untersuche die oberste Bodenschicht bis zu einem Meter Tiefe. Hier habe ich eine dicke Lössauflage gefunden, ein sehr guter Boden für Waldbäume. Ein Problem sind allerdings die Nadeln der Fichten, die über die Jahre ein dickes Paket an Humus gebildet haben. Das sorgt dafür, dass bei Regen viel Wasser nicht in die tieferen Bodenschichten gelangt und der Humus einen leicht sauren pH-Wert hat.

Erdprobe mit Bohrstock in einem FichtenwaldBohrstock bei einer Erdprobe

Dann prüfe ich die Ausrichtung des Hanges und wie sich das auf die Belichtung der Fläche auswirkt. In meinem Fall ist die Fläche ein Nord-Ost-Hang. Das ist gut für einen Wald, weil die Sonne nicht so extrem den Boden austrocknen kann und den Bäumen dadurch mehr Wasser zu Verfügung steht. Beachtet habe ich auch den Schattenwurf der umstehenden Bäume. Es gibt dadurch einige besonntere und einige sehr schattige Ecken.

Das Klima wird im Durchschnitt immer wärmer und trockener. Die Fichten sind mit ihrem hohen Bedarf an Wasser und Anspruch an relativ kühle Temperaturen keine Alternative mehr.

Nachdem ich alle Faktoren in Betracht gezogen habe, habe ich mich auf der ersten kleinen Pflanzfläche für eine Mischung aus Spitzahorn und Walnussbaum entschieden.
Außerdem hoffe ich, dass der Wind auch noch Samen von Birken und Salweiden anweht und diese von selbst anwachsen. Vielleicht bringt mir der Eichelhäher auch noch einzelne Eichen.

3. Warum ist der Zaun um das Stück?

Der Zaun ist nötig damit Rehe und Wildschweine den kleinen Pflanzen nichts anhaben können. Rehe ernähren sich unter anderem von den Knospen der Bäume. Und seltene Baumarten wie Spitzahorn haben es ihnen besonders angetan. Rehe sind im Wald die Feinschmecker und suchen sich gezielt die Schokoladeunter den Pflanzen aus.

Wildschweine ernähren sich zum Großteil von Bodenlebewesen. Diese finden sie durch Wühlen mit der Schnauze. Besonders gerne haben sie deshalb aufgelockerten Boden, wie er bei den frisch gesetzten Pflanzen zu finden ist. Manchmal reißen sie auch die frischen Setzlinge komplett heraus und kauen die Wurzeln durch. Muss auch eine Delikatesse sein.

4. Welche Arbeiten werden in den nächsten Jahren an den Bäumen durchgeführt und wie könnte man Kunden oder Interessenten einbinden (1,2, 4 x mal im Jahr, ein Samstag usw?)

Arbeit auf bereits gepflanzter Fläche:
Entfernen von Brombeeren und Sträuchern, die den gepflanzten Spitzahorn und Walnuss

Licht und Wasser nehmen könnten. Ist ca. 2-3x pro Jahr sinnvoll und nötig. (Bei mehr Regen wachsen auch die Unkräuterbesser).
Ca. 2-3 Stunden Arbeit für eine Person auf 1000m2 Fläche

Arbeit in den nächsten Jahren:

  •   Bau von weiteren Zäunen für Pflanzungen

    (1 Zaun mit 400lfm: ca. 2 Tage Arbeit für 8-10 Personen)

  •   Pflanzung bzw. Saat von Bäumen auf einer Fläche von ca. 9000m2

    (ca. 2-3 Tage Arbeit für 20 Personen (Laien))

  •   Bau von 1-2 Hochsitzen (evtl. auch für Kunden interessant. Ich habe das beim

    Bergwaldprojekt auch schon gemacht und hatte viel Spaß beim Bau) (ca. 1⁄2 Tag Arbeit für 3-4 Personen, soweit Material schon vorbereitet ist)

Evtl. Einzelschutz (Minizäune) für Eichen und Buchen (Naturverjüngung bauen und anbringen)

5. Welche Risiken bzw. Gefahren gibt es für diese Bäume (zb. Torckenheit, Verbiss, Schädlinge usw.)?

Risiken für die Bäume im Zaun:
Hauptsächlich Trockenheit und Überwachsenwerden vom Brombeere

6. Wie groß sind die Bäume etwa in 1, 2, 3, 4, 5, 10, 20 Jahren, wie alt werden sie etwas?

Je nach Wetter und Niederschlägen, wachsen die kleinen Bäume 20-60cm pro Jahr. In zwei Jahren könnten die Spitzahorn also bereits etwa 1,5 bis 2 Meter groß sein. In fünf Jahren sind 3-4m möglich, in 10 Jahren hoffe ich auf 6-7 Meter.

7. Sind in jeder Reihe eine Baumart 

So stehen die Bäume. Im unteren Teil Walnuss, oben Spitzahorn. Reihen verlaufen in Fallrichtung von oben nach unten.
Schilder lassen sich ohne Probleme im unteren Bereich der Fläche aufstellen.
(z.B.
Hier wachsen 35 Walnuss und 15 Spitzahorn)

Borkenkäfer

BorkenkäferBorkenkäfebefall

BorkenkäferbefallGeschädigter Fichtenwald mit Borkenkäferbefall